Glibber - Gedichte und Briefe
Glibber - Gedichte und Briefe
     


Unsere sportliche Oma
Bei uns sind seit Wochen die Puppen am Tanze',
unsere Oma wird sportlich, sie geht jetzt auf's Ganze.
Seitdem so ein Rindvieh 'nen Vortrag gehalten,
nur Sport sei gesund für die Jungen und Alten,
ist somit immun und wird nicht managerkrank!
Seit unsere Oma nun solches gehört,
ist unser friedliches, glückliches Leben gestört.

Am Morgen um fünf schnappt die Oma ihre Pfeif',
ein furchtbarer Triller und schon sind wir reif.
Ob's kalt oder warm, es geht hinaus in den Garten,
mit dem Wasserschlauch in der Hand tut sie uns da schon erwarten.
Es gibt dann zum Anfang eine eiskalte Dusche
und will einer meckern, den tut sie gleich kusche.
Entfährt dann dem Opa ein Schrei durch die Kiemen,
dann sagt sie: "Du Dussel, jetzt reiß' Dich am Riemen!"

Dann heißt es: "Zur Gymnastik steht alle parat!"
Die Bandscheib' vom Opa rollt in den Salat,
die Oma macht Purzelbäume, hin und zurück.
Der Opa meint: "Hoffentlich bricht Sie's Genick!"
Dann geht es geschlossen ins Haus wieder rein,
auf dem Kopf, mit den Füßen an der Wand, steht nun der ganze Verein.
Die Oma meint: "Yoga ist doch so gesund!"
Und an Opa seinem Schnurrbart, da leckt unser Hund!

Für unseren Sittich wird's finstere Nacht.
Das Vögelchen hat sich grad totgelacht.
Der Oma macht's Spaß, sie hat auch Humor,
dem Opa läuft plötzlich die Supp' aus dem Ohr.
Er fängt an zu wackeln, es wird ihm so mies.
Dann fällt er durch die Schrankscheib', ins Kaffeeservice.
Alle Tassen im Eimer, kein Teller mehr gut,
die Kanne schlägt Oma an seinem Kopf noch kaputt!

Dann machen wir Waldlauf, die kreuz und die quer,
unsere Oma per Moped, die fährt hinterher.
Ein uralter Förster mit Gamsbart am Hut,
auch er kam des Weges, er sah nicht mehr gut.
Vielleicht war der Forstmann auch ein wenig besoffen,
denn er hat unsere Oma mit Schrotkorn getroffen.
Der Opa fiel hin, das gab ihm den Rest.
Sein Pech war, er fiel in ein Wespennest.
Die Oma schreit stolz: "Mein Mann ist ein Held,
mit 70 'nen neuen Rekord aufgestellt!"

Dann geht es heimwärts, um Früstück zu machen.
Davon soll man satt werden, es ist doch zum Lachen.
Einen Haferbrei gibt es, drei Äpfel, zwei Nüß'.
Dem Opa klebt ständig dieser Leim am Gebiß.
Da hat er geschimpft und kräftig geflucht:
"Was ist das für ein Fraß und was ist das 'ne Zucht!"
Die Oma sagt trocken: "Ach, halt doch die Klapp',
nachher, wenn wir radfahren, häng ich Dich doch ab!"
Der Opa spricht stolz: "Da muß ich doch lachen,
das ist gut, komm, wir können ein Wettrennen machen!"
Die Oma zieht sich ihre Trainingsjack' aus
der Opa in Turnhose, steht schon vor'm Haus.

Doch schnell war's vorbei mit der Fahrt um die Wette,
denn Großvater hing mit dem Bart in der Kette.
Er konnt' nicht mehr bremsen, schon gar nicht mehr treten.
Er saust in den Graben, sein Bart ging dabei flöten.
Was hat er gejammert, voll Schmerz lag er da,
doch die Oma sagt: "Nun mach kein Trara,
die richtigen Sportler sind auch schon geflogen,
komm heim, jetzt wird Expander gezogen!"

Sie läßt unserem Opa einfach keine Ruh'
und dem Ärmsten rieselt doch schon der Kalk in die Schuh'.
Seine Krampfadern klotzen, das Hühnerauge brennt,
es hätt' unser Opa vor Zorn bald geflennt.
Dann setzt er zur Ruh' sich daheim in die Eck'.
Schon hat sie ihn beim Wickel: "Dein Schmerbauch muß weg!
Wer rastet der rostet und kommt nicht zum Ziel,
komm Alter, wir machen ein Federballspiel!"

Die Oma schlägt, der Opa rennt,
wobei ihm der Schweiß in den Augen schon brennt.
Dann ist er gestolpert und stürzt noch dazu
mit dem Antlitz genau in den Mist von der Kuh.
Die Oma ironisch: "Ei Alter, wie schad',
sonst willste beim Essen doch niemals Spinat!"
Mit Kuhmist bekleckert, vom Schweiße ganz naß,
vor Anstrengung ist unser Opa recht blaß.

Doch Mitleid, das ist unserer Oma ja fremd.
Sie gibt ihm nur eben ein trockenes Hemd
und spricht: "Komm Alter, jetzt mach' keine Sachen,
Du mußt auch noch zwanzig Klimmzüge machen,
dann gehts an den Sandsack, um boxen zu lerne'!"
Der Sack fiel zurück, der Opa sieht Sterne.
Gymnastik mit Keulen gibts dann noch zum Schluß.
Dabei kriegt der Opa einen Hexenschuß.

Sie hat ihn massiert, was hat er gebrüllt.
"Dein Sport-soll, spricht Oma, "ist noch nicht erfüllt.
Ich bin Deine Frau, ich hab' zu bestimmen.
Auf geht's, jetzt lernst Du noch Rettungsschwimmen!"
Im Hallenbad sagt sie: "Jetzt zeig' Dich als Mann
und fang' vom Fünfmeterbrett gleich einmal an!"

Der Opa hat nur apathisch genickt,
auch gar nicht mehr groß in die Tiefe geblickt.
Die Augen geschlossen, ein Sprung dann ins Freie,
ein furchtbarer Knall, der Opa tut schreie'.
Die Oma ruft: "Mann, warum das Geschrei,
ich sehe nichts, ich hab' meine Brille nicht dabei?"
Der Opa erscheint mit grün-blauen Flecken:
"Du Luder, es ist gar kein Wasser im Becken!"

Das war dann des Großvaters allerletzter Sprung.
Seitdem fehlt dem ärmsten ein Stück von der Zung'.
Zwölf Fliesen, die platzten bei diesem Falle,
ein Riß ging quer durch die ganze Halle.
Aus war es mit Opas sportlichen Qualen.
Die Oma, die durfte den Schaden bezahlen.
Jetzt raucht er seine Pfeife und läßt sich nicht stören,
und die Oma will vom Sport überhaupt nichts mehr hören!


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.07.2008, 19:02 Uhr